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Kontroverse um Jungen-Gymnasium von Opus Dei

Die konservative religiöse Organisation Opus Dei plant die Einrichtung eines Gymnasiums nur für Jungen in der Stadt Potsdam. Ein mögliches Problem dabei ist, daß momentan noch nicht ganz sicher ist, ob das brandenburgische Bildungsgesetz eine reine Jungenschule überhaupt zuläßt, zusätzlich gibt es aber auch Bedenken gegen eine Schule dieser selbst in konservativen Kreisen nicht völlig unumstrittenen Organisation. Eine Protestaktion gibt es u.a. von den Grünen. Mehr über die Pläne von Opus Dei kann man u.a. auf 3sat.de lesen.

Ich muß sagen, daß ich der Organisation und der geplanten Schule auch eher kritisch gegenüber stehe. Schon allein die Geschlechtertrennung erscheint mir völlig veraltet zu sein - der Umgang mit dem anderen Geschlecht gehört doch zum Leben, weshalb es sinnvoll ist Kinder auch gemeinsam zu unterrichten. Zudem heißt es, daß Internet, Spielekonsolen und Boulevardpresse in dieser Schule nicht erlaubt sein würden, Fernsehen nur nach Erlaubnis des Leiters gestattet wäre. Zumindest sind dies Regeln, nach denen die Numerarier (ehelos lebende Mitglieder der Organisation - dies betrifft etwa 20% der Mitglieder) leben: Kino-, Theater- und Konzertveranstaltungen sind z.B. für diese zu meiden, Fernsehen ist nur nach Rückfrage gestattet. Für die Erziehung von Kindern halte ich eine völlige Abschottung von der modernen Medienwelt jedenfalls für falsch - viel eher ist es angebracht ihnen einen sinnvollen Umgang damit aufzuzeigen und ihnen auch beizubringen diese kritisch zu hinterfragen.

Es ist allerdings auch fraglich, ob kritisches Denken bei Opus Dei überhaupt gefragt ist. Generell scheint die Organisation durchaus ein paar sektenähnliche Züge zu haben: Es herrscht eine gewisse Geheimhaltung, so daß Mitglieder sich normalerweise nicht als solche zu erkennen geben, zudem heißt es, daß innerhalb der Gemeinschaft eine rückhaltlose Gehorsamspflicht gegenüber Vorgesetzten bestehe und man mit speziellen Methoden wie vorgetäuschten Freundschaften versuche neue Mitglieder zu bekommen. Auch ein hohes Machtstreben wird der Organisation vorgeworfen, so seien sie angeblich besonders an einflußreichen Personen und jungen Akademikern, die später höhere Positionen in der Gesellschaft einnehmen könnten, interessiert. Durch den Status als Personalprälatur innerhalb der katholischen Kirche besteht auch eine gewisse Unabhängigkeit. Weiterhin ist bekannt, daß sie den vom Vatikan in den 60ern abgeschafften Index verbotener Bücher in ihrer Organisation weiterführen - darauf stehen u.a. Werke von Günter Grass, Hermann Hesse, James Joyce, Karl Marx, Voltaire, Heinrich Böll, Immanuel Kant und Umberto Eco.

Vieles von diesem wird Opus Dei allerdings in dieser Form abgestritten, so daß man nicht genau weiß, wie genau die Wirklichkeit nun in Wahrheit aussieht. Einiges davon scheint aber tatsächlich zu stimmen, wie etwa die Führung eines Bücher-Indexes und ich kann mir auch nicht vorstellen, daß alle Anschuldigungen nun völlig aus der Luft gegriffen sind. So wird in einem Artikel des Tagesspiegels z.B. der Gründer der Organisation zitiert:
Opus-Dei-Gründer Josemaría Escrivá hatte seinen Anhängern in seinem Hauptwerk „Der Weg“ mitgegeben: „Gehorcht, wie ein Werkzeug in der Hand des Künstlers gehorcht, das nicht danach fragt, warum es dies oder jenes tut.“ In anderen Texten ist von „körperlichen Züchtigungen“ die Rede.

Generell sehen einige in "Der Weg" eine gewisse ideologische Nähe zum Faschismus.

Auch ist bekannt, daß die 20% eheloslebenden Mitglieder der Organisation regelmäßig einen sogenannten Bußgürtel tragen: Ein schmerzhaftes Band aus Metallringen, an denen sich kleine Dornen befinden, die gegen die Oberschenkel drücken. Auch von Selbstgeißelungen mit einer 5-schwänzigen Geißel ist zu lesen.

Insgesamt bin jedenfalls skeptisch, ob solch eine Organisation Kinder in einem Jungengymnasium erziehen sollte. Generell hat natürlich jeder das Recht (was ja auch gut so ist), seine Kinder seiner Religion und seinem Weltbild entsprechend zu erziehen oder erziehen zu lassen, aber ich habe die Befürchtung, daß dies hier doch etwas über einfache religiöse Erziehung hinausgehen könnte. Ich denke mal, daß die Selbstgeißelungen und Bußgürtel wirklich nur für die Numerarier gelten, aber sollte so etwas auch für Schüler geplant sein, hoffe ich, daß hier eingeschritten werden würde, denn dies wäre in meinen Augen eindeutig Körperverletzung.

Sollte das Gymnasium genehmigt werden und erfolgreich sein, ist übrigens auch schon ein reines Mädchengymnasium geplant.
7.4.07 18:14
 


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