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Über die Folgen übertriebener Hysterie

Gerade kürzlich habe ich in einem Forum über einen interessanten, aber auch tragischen Fall gelesen. Dort wurde auf einen Guardian-Artikel verwiesen, der über den französischen Fall "Outreau" berichtete. Ein Kindesmißbrauchsfall mit überraschenden und tragischen Konsequenzen: 13 der 17 Angeklagten waren eigentlich unschuldig, verbrachten aber u.a. mehrere Jahre im Gefängnis.

Nur vier der Angeklagten waren tatsächlich schuldig und wurden auch 2004 wegen Inzests und Kindesmißbrauchs zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die anderen Personen verbrachten jedoch trotzdem mehrere Jahre in Untersuchungshaft bzw. erhielten teilweise sogar Haftstraften ohne Bewährung. Familien wurden auseinandergerissen, Eltern wurde das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen, Menschen verloren ihre Arbeit. Eine Person beging Selbstmord.

Im November 2005 sind die letzten sechs Personen freigesprochen worden. Die verursachten Schäden lassen sich aber sicherlich nicht mehr ausgleichen: Hier wurden Existenzen zerstört.

Ein deutscher Artikel zum Fall findet sich z.B. bei GMX. Wer Französisch versteht, findet auch einiges an Informationen zum Fall in der französischen Version von Wikipedia.

Wie konnte es dazu kommen? Im Zentrum des Ganzen standen anscheinend Falschaussagen der Hauptzeugin und einiger, wahrscheinlich beeinflußter Kinder. Durch stark einseitige Ermittlungen konnte es so schließlich zu einem der schwerwiegendsten Justizirrtümer Frankreichs kommen. Auch die Medien haben hier sicher eine Rolle gespielt, denn wie so oft bei Kindesmißbrauchsfällen wurden die Täter schon an den Pranger gestellt, bevor ein Urteil gesprochen worden war. Von der Unschuldsvermutung bis zum Nachweis der Tat ist hier nichts mehr zu sehen, vor allem in der Boulevard-Presse.

Immerhin gab es in diesem Fall eine öffentliche Entschuldigung des französischen Justizministers. Auch Präsident Chirac hat sich schriftlich bei den Angeklagten entschuldigt. Zudem bekamen die betroffenen Personen hohe Entschädigungsgelder von mehreren hunderttausend Euro. Es ist u.a. auch eine umfangreiche Untersuchung eingeleitet worden. Dies alles kann das Geschehene natürlich nicht rückgängig machen, aber es ist trotzdem sehr wichtig, daß nun alles getan wird, was im Bereich des Möglichen liegt und vor allem, daß nicht versucht wird die begangenen Fehler zu vertuschen.

Es wäre schön, wenn auch die Medien aus diesem Fall lernen würden und mit Vorverurteilungen in Zukunft vorsichtiger wären. Bei manch anderem Fall bekommt die Öffentlichkeit hinterher vielleicht gar nicht mal mit, wenn sich herausstellt, daß der Angeklagte eigentlicht unschuldig war. Generell wäre auch mehr Sachlichkeit im Umgang mit dem Thema Kindesmißbrauch wünschenswert. Dies ist ein schwerwiegendes Verbrechen, aber gerade deshalb ist es wichtig Diskussionen darüber auf sachlicher und nicht auf rein emotionaler Ebene zu führen.

Dies alles wäre schön - damit zu rechnen ist aber leider wohl nicht.
1.2.06 23:37
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(3.2.06 18:58)
Es ist interessant, dass dieser Fall in Deutschland so gut wie unbekannt ist - auch wenn er in Frankreich hohe Wellen geschlagen hat. Dutroux in aller Munde, d'Outreau kaum einen Bericht wert!

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