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Viel zu jung - Anmerkungen

Am Dienstag abend lief der Film ja endlich mal wieder auf arte. Auch beim zweiten Ansehen finde ich ihn immer noch sehr gelungen. Fernab von bekannten Klischees beschäftigt sich die Regisseurin, Autorin und Hauptdarstellerin hier mit diesem gesellschaftlich doch stark tabuisiertem Thema.

Da ich im folgenden sicherlich auch ein paar Spoiler über den Verlauf des Films erwähnen werde, sollte nicht weiterlesen, wer sich die Spannung noch erhalten möchte. Heute abend, in der Nacht zum Montag, wird der Film übrigens um 0:20 Uhr nochmal wiederholt. Wer ihn verpaßt hat, hat also noch eine weitere Chance ihn zu sehen.

Aber zurück zum Film und dessen Umgang mit besagter Thematik. Es wird dabei z.B. auch gezeigt, daß die Initiative durchaus auch vom dreizehnjährigen Clément ausgeht. Er macht einige Annäherungsversuche, teilweise auch durchaus spielerischer Art und klammert sich im Schwimmbad sogar für längere Zeit zärtlich an Marion. Diese weist ihn jedoch nicht völlig von sich, sondern läßt es geschehen, läßt sich später auf einen Kuß ein und beginnt schließlich eine richtige Liebesbeziehung mit ihm.

Überraschend ist auch wie positiv, zärtlich und ästhetisch hier ihre erste Liebesnacht dargestellt wird. Dies finde ich schon sehr mutig.

Allerdings muß man sagen, daß hier natürlich nun auch keine beispielhafte Boylove-Traumbeziehung gezeigt wird. Marion wirkt in manchen Momenten etwas selbstsüchtig und setzt Clément zu sehr unter Druck. Dieser reagiert manchmal aber auch etwas überzogen, allerdings sollte Marion hier als Erwachsene mehr Fingerspitzengefühl zeigen. Vielleicht ist aber auch hier das Problem, daß sie sich selber nicht ganz über ihre Gefühle im Klaren ist. So hat sie ja auch keine richtig feste Beziehung mit einem Erwachsenen, auch wenn sie durchaus Männer regelmäßig trifft.

Man sieht aber auch, daß teilweise die verschiedenen Interessen ein Problem sein können, so daß Clément nicht unbedingt in Marions Erwachsenenwelt paßt, aber diese vielleicht auch wiederum nicht völlig in sein Leben. Ich denke allerdings, daß dieses - wenn man es einmal auf Boylover überträgt (Marion ist ja wahrscheinlich nicht unbedingt pädophil - ansonsten hat sie schließlich Beziehungen mit Erwachsenen) - nicht so ein großes Problem sein muß. Viele Boylover interessieren sich wohl durchaus sehr für die Welt der Jungen und es gibt ja auch durchaus Schnittmengen. Wenn sich die richtigen Personen treffen, muß der Altersunterschied also nicht zwangsläufig ein Problem sein.

Ein größeres Problem liegt wohl wirklich eher darin, daß Marion Clément teilweise überfordert und mit ihm versucht wie mit einem erwachsenen Partner umzugehen und auch entsprechende Erwartungen hat. Wenn diese dann nicht erfüllt werden, weiß sie wiederum nicht richtig damit umzugehen. Besonders tragisch ist dann am Ende natürlich, daß Clément selbst die Lust an der Beziehung verliert und sich lieber gleichaltrigen Mädchen zuwendet. So etwas kann bei solchen Beziehungen sicherlich passieren und dann muß der/die Erwachsene es letztendlich akzeptieren, auch wenn es schwer fällt. Hier reagiert Marion leider ziemlich hysterisch - wenn man ihre Gefühlslage auch durchaus verstehen kann.

Letztendlich stellt sich dann die Frage, ob dem dreizehnjährigem Clément nun durch die Beziehung geschadet worden ist. Ich denke diese Frage kann man wohl klar mit "Nein" beantworten. Die schönen Erinnerungen werden bei ihm letztendlich sicher überwiegen, zumindest aber hat er dadurch an Erfahrung gewonnen. Sein Leben geht nun weiter, ein neuer Abschnitt hat für ihn begonnen. Ich denke für Marion wird es deutlich schwerer sein mit der letztendlich gescheiterten Beziehung klarzukommen.

Natürlich kann man hieraus aber nun auch keine allgemeingültigen Schlüsse über sexuelle Beziehungen unterhalb der Schutzaltergrenze ziehen. Erstmal ist es nur ein Film und zweitens wäre es eh nur ein Einzelfall. Ich denke aber, daß der Film seine Charaktere durchaus realistisch darstellt, da er versucht gängige Klischees zu vermeiden und auf verschiedene psychologische Aspekte eingeht. Er zeigt ja auch wie gesagt durchaus viele mögliche Probleme auf und läßt die Beziehung am Schluß kein Happy End finden.

Sicherlich gibt es auch in der Realität durchaus öfters Fälle, bei denen ein Erwachsener einen Jungen mißbraucht hat. Auch als Boylover sollte man sich nichts vormachen und denken dies würden bloß "böse" Vergewaltiger tun. Es gibt sicherlich auch Menschen, die sich selbst als Boylover ansehen, dann aber bei Jungen sexuell zu weit gehen und ihnen dadurch schaden. Nicht unbedingt weil sie alle "böse" Menschen sind - vielleicht einfach, weil sie ihre eigenen sexuellen Wünsche auf die Handlungen des Jungen projiziert haben und dort Dinge hineininterpretiert haben, die gar nicht da waren. Vielleicht haben sie auch durch geschickte Taktiken den Jungen zu Dingen überreden können, die er eigentlich gar nicht wollte. Man kann sicher nicht abstreiten, daß Erwachsene durch ihre größere Lebenserfahrung zumindest manchen Jungen leicht beeinflußen können.

Hierzu kann man sicherlich noch viel schreiben, aber letztendlich finde ich, daß man dies alles bedenken sollte, aber dabei auch nicht vergessen darf, daß nicht jede Beziehung so ablaufen muß. Wieso sollten Jungen - gerade wenn sie wie im Film am Anfang der Pubertät stehen - nicht auch von sich aus ein sexuelles Interesse haben? Es muß ja nicht in jedem solchen Fall eine sexuelle Ausbeutung vorliegen. Mit 14 Jahren wird Kindern (bzw. dann Jugendlichen) so ein Interesse dann ja auch gesetzlich zugesprochen, denn ab diesem Alter dürfen sie legal sexuelle Beziehungen eingehen. Doch auch unter diesem Alter kann ich mir vorstellen, daß es wie im Film Beziehungen geben kann, die beiden Seiten gefallen, von denen beide Seiten profitieren und bei denen der Junge eben keinen seelischen Schaden nimmt. Vielmehr trägt doch gerade die Situation in der Gesellschaft sogar teilweise noch dazu bei Schaden zu erzeugen - nämlich dann, wenn in Beziehungen wie im Film eigentlich keine Schädigung vorliegt, aber der Junge dann durch die Gesellschaft in eine Opferrolle gedrängt wird. Wahrscheinlich sind homosexuelle Beziehungen hier sogar noch zusätzlich stigmatisiert im Vergleich zu heterosexuellen.

Auf jeden Fall denke ich, daß dieser Film durchaus als Diskussionsgrundlage und als Anlaß zum Nachdenken dienen kann - weshalb ich auch sehr froh bin, daß arte ihn im Fernsehen zeigt.
6.8.06 20:23
 


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