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Die New York Times und die Boylove-Community

Vor einigen Tagen wurde ein neuer Artikel des Journalisten Kurt Eichenwald in der NY Times veröffentlicht. In diesem beschreibt er die Boylove-Online-Welt, die er vier Monate lang untersucht hatte, allerdings ziemlich einseitig, wie ich finde.

Eine kurze Zusammenfassung einiger Punkte findet man auf deutsch z.B. unter diesem Link. Den englischsprachigen Originalartikel findet man auf mehreren Websites im Netz, wie z.B. auf dieser.

Als erstes ist mir an dem Artikel negativ aufgefallen, daß er sehr selektiv Zitate nutzt um sein negatives Gesamturteil zu untermauern. So werden Zitate von den Usern teilweise aus dem Kontext gerissen, es wird sich teilweise auf Extrembeispiele konzentriert, zumindest aber wird versucht einen negativen Eindruck zu erzeugen.

So schreibt Eichenwald z.B. darüber, daß ein User einen Job als Aufseher einer Jungen-Kabine in einem Ferienlager bekommen hatte und zitiert folgenden Kommentar dazu:
“Hope you see some naked boys in your cabin,” a man calling himself PPC responded. “And good luck while restraining yourself from doing anything.”

Letztendlich ist es aber doch sogar positiv zu bewerten, wenn ein User jemanden darauf hinweist, daß er sich in diesem Job etwas zurückhalten solle.

Weiterhin werden Zitate über die Berufe mehrerer User erwähnt:
In the conversations observed by The Times, the pedophiles often discussed their personal lives. Their individual jobs were described as being a disc jockey at parties (“a high concentration of gorgeous” children, a man claiming to hold the job said); a pediatric nurse (“lots of looking but no touching”); a piano teacher (“I could tell you stories that would make you ...well... I’ll be good”); an employee at a water theme park (“bathing suits upon bathing suits!!!!!”); and a pediatrician specializing in gynecology (“No need to add anything more, I feel”).

Es ist aber doch nicht verwunderlich Pädophile in allen möglichen Berufen zu finden und es ist auch nichts daran auszusetzen, wenn sie es genießen, falls sie dort Kontakt mit Kindern haben. Die meisten Kommentare sind zudem auch völlig harmlos, ein User betont sogar, daß er sich in seinem Beruf nur auf das Schauen beschränke und keine Kinder unangemessen berühre. Sicherlich wird das nicht bei allen so sein, es gibt halt immer solche und solche Menschen, aber das ist doch eigentlich auch kaum überraschend. Alleine aus diesen Kommentaren würde ich zumindest noch keine großartigen Schlußfolgerungen ziehen wollen...

Das ist aber noch nicht alles, auch folgendes wird in dem Artikel zitiert:

“My daughter and I have a healthy close relationship,” a person with the screen name Sonali posted. “We have been in a ‘consensual sexual relationship’ almost two months now.”

The daughter, Sonali wrote, is 10. Whatever guilt Sonali felt for the relationship was eased by the postings of other pedophiles. “I am so happy to find this site,” Sonali wrote. “I thought having a sexual attraction to my daughter was bad. I now do not feel guilty or conflicted.”

Dies klingt natürlich schon ziemlich erschreckend. Ich denke auch nicht unbedingt, daß Eltern sexuelle Beziehungen mit ihren eigenen Kindern haben sollten, da die verschiedenen Rollen einfach nicht zusammenpassen und solche Beziehungen besonders für die Kinder sehr problematisch werden können - und diese dann nicht einmal Fluchtmöglichkeiten aus der Beziehung haben. Allerdings ist es nun auch keinesfalls so, daß solche Beziehungen generell als positiv in der Childlove-Community angesehen werden - zumindest viele verschiedene Meinungen gibt es hier. Letztendlich würde ich so etwas als Extremfall betrachten - wenn man sich in der Community aber nicht auskennt, könnte man alleine durch den Artikel einen ganz anderen Eindruck bekommen.

Noch ein weiteres Zitat wird gebracht:

In the days that followed, some pedophiles supported that position online, agreeing with Mr. Distasio that mentally handicapped, prepubescent boys could consent to sex with their teacher.

Hier schreibt er es sogar: "Some", also einige unterstützten diese Position. Zu solch komplexen Themen ist es eher so, daß es regelmäßig Diskussionen mit den verschiedensten Standpunkten in den Pädoforen gibt - dies erwähnt Eichenwald jedoch an dieser Stelle nicht.

Witzig ist dann noch, daß eines seiner Zitate anscheinend sogar ironisch und gar nicht ernst gemeint war, wenn ich den User, der auf sein Zitat hinweist, richtig verstehe: http://www.boychat.org/messages/1022476.htm

Unglaublich ist dann aber wie in dem Artikel das Projekt "BL Charity" dargestellt wird. Hierbei handelt es sich um ein allgemeinnütziges Projekt, bei dem zwei Boylover eine Website eröffnet hatten um Spendengelder für arme Kinder in Osteuropa zu sammeln. Dieses wird allerdings nicht etwa lobend erwähnt, sondern tatsächlich negativ ausgelegt.

Eichenwald schreibt:

a putative charity that raised money to send Eastern European children to a camp where they were apparently visited by pedophiles
[...]
Some participants in these conversations claimed to have established charitable efforts that put them in contact with children.

Man beachte die Ausdrücke "claimed", also "behaupteten", und "putative", also "vermeintlich"/"mutmaßlich". Zudem wird impliziert, daß das Hauptziel der Aktion gewesen sei, in Kontakt mit Kindern zu kommen. Inzwischen haben die beiden Kanadier, die das Projekt letztes Jahr organisiert hatten, ihre Website wieder online gestellt und klären darauf darüber auf, daß sie selber gar nicht in Europa waren, sondern das Projekt von Kanada aus leiteten und mit sozialen Diensten der dortigen Regierung zusammenarbeiteten: http://www.blcharity.net/

Aber für Eichenwald ist es wohl unvorstellbar, daß Pädophile mit so einer Aktion keine negativen Absichten verfolgen können. Dabei handelte es sich bei dem Projekt um den Versuch der Welt zu zeigen, daß Boylover eben nicht generell böse Monster sind und einigen armen Familien in Osteuropa zu helfen.

Gleich zu Beginn des Artikels wird auch über den Zweck der Foren geredet. Hier werden folgende Punkte angeführt:

  • Tips zu bekommen, wie man in die Nähe von Kindern kommt
  • Geschichten über alltägliche Zusammentreffen mit Kindern auszutauschen
  • mit Hilfe der Technologie Argumentationen zu anderen zu tragen, z.B. durch das Tauschen eines Booklets, das an Kinder verteilt werden soll und in dem die Vorteile von Sex mit Erwachsenen dargestellt werden

Durch diese Auswahl wird erneut ein falscher Eindruck erzeugt. Von diesem Booklet habe ich z.B. noch nie etwas gehört. Es mag sicher existieren und scheint dann auch tatsächlich höchst zweifelhaft zu sein, aber dies ist doch keinesfalls repräsentativ für die Online-Community. In den meisten Foren würde so ein Booklet schon gegen die Boardregeln verstoßen. Ansonsten werden sicherlich durchaus auch Tips ausgetauscht um Kinder kennenzulernen und sicherlich auch alltägliche Geschichten erzählt. Dies stimmt tatsächlich. Ein wichtiger Zweck der Foren wird aber gar nicht genannt bzw. als negativ dargestellt: Die Foren bieten einer gesellschaftlichen Randgruppe die Möglichkeit sich mit anderen Menschen, die genauso fühlen wie sie, auszutauschen. Wer weiß wieviele Selbstmorde vielleicht dadurch schon verhindert wurden?

Es heißt in dem Artikel:

But the existence of this community is significant and troubling, experts said, because it reinforces beliefs that, when acted upon, are criminal. Repeatedly in these conversations, pedophiles said the discussions had helped them accept their attractions and had even allowed them to have sex with a child without guilt.

Hier muß man sicherlich feststellen, daß es wohl denkbar ist, daß durch die Foren mancher Pädophiler vielleicht tatsächlich Hemmungen verlieren mag und sexuellen Mißbrauch dadurch als moralisch akzeptabel ansieht. Man sollte sicherlich nichts schönreden, aber die meisten Dinge haben halt gute und schlechte Seiten. Man sollte aber auch immer versuchen wirklich beide Seiten zu betrachten.

Es ist doch sicherlich positiv, wenn jemand es schafft durch die Online-Foren seine Neigung zu akzeptieren. Denn die Neigung ist nunmal vorhanden und so muß man versuchen einen positiven Weg zu finden um damit zu leben. Was moralische Aspekte von sexuellen Kontakten mit Minderjährigen angeht, gibt es zudem auch regelmäßig heiße Diskussionen. Ich könnte mir allerdings schon gut vorstellen, daß es auch einige Boylover gibt, die sich selbst etwas vormachen und tatsächlich in einer Art Traumwelt leben und sich bloß selber einreden, daß die Kinder, mit denen sie in Kontakt stehen, auch sexuelle Kontakte haben wollen, obwohl sie den Kindern damit in Wirklichkeit Schaden zufügen. Man muß dabei aber bedenken, daß es sicherlich auch sehr viele Pädos gibt, die (aus verschiedenen Gründen) keine sexuellen Kontakte eingehen. Bei denen, die dies tun, muß man bedenken, daß einige der Kontakte sicherlich auch tatsächlich positiv für beide Seiten sein können. Diese Möglichkeit komplett abzustreiten, wäre schließlich auch ziemlich einseitig und voreingenommen. Bei den Pädophilen, die tatsächlich Mißbrauch begehen und Kindern damit schaden, muß man sich schließlich noch die Frage stellen, ob sie dies nun auf Grund der Onlineforen getan haben oder ob sie dies nicht auch ohne diese so gemacht hätten.

Sicherlich führt die Online-Welt auch zu negativen Folgen. Technologie kann immer auch für schlechte Zwecke genutzt werden und negative Konsequenzen haben. Man kann bei der Betrachtung der Boylove- bzw. Childlove-Community aber die positiven Folgen nicht einfach ausklammern. Unzähligen Pädophilen wird damit geholfen in dieser Gesellschaft ein glücklicheres Leben zu führen und die Möglichkeit gegeben über ihre Gefühle mit anderen Menschen zu sprechen, was ansonsten kaum möglich ist. Es sind einfach Vorurteile, wenn man annimmt, daß diese Foren vor allem dazu dienen Kinderpornographie zu tauschen (dies wird im Artikel sogar eingeräumt) oder Tipps zu bekommen, wie man Kinder am besten mißbrauchen kann. Der Hauptzweck der Online-Community ist ein offener Austausch über ein in der Gesellschaft leider stark tabuisiertes Thema mit gleichfühlenden Menschen. Letztendlich sind Pädophile auch nur Menschen mit Gefühlen und so kann ich es nicht verstehen, wenn man sogar eine sinnvolle Einrichtung wie legale Online-Foren in ein negatives Licht rücken will. Wie schon erwähnt - wer weiß, wieviele Pädophile durch die Online-Community ein glücklicheres Leben führen und wer weiß, wieviel Selbstmorde dadurch verhindert worden sind?

Eichenwald nennt die Foren "echo chambers" - Räume, in denen die eigene Sichtweise lediglich wiederholt und verstärkt wird. Kann man dies teilweise nicht auch über die einseitige Darstellung der Pädophilie in den Medien sagen? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte, denn es gibt gute Argumente auf beiden Seiten. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn es zu diesem Thema in der gesamten Gesellschaft einen offeneren und sachlicheren Diskurs gäbe, bei der beide Seiten versuchen würden festgesetzte Überzeugungen zu hinterfragen und zu einer verbesserten Situation für alle Menschen zu kommen.
29.8.06 03:15
 


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