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Ein Fall moderner Hexenverfolgung

Klingt die Überschrift zu reißerisch? Ich hoffe nicht, denn in diesem Fall ist der Vergleich nicht so unpassend, finde ich. Im Mittelalter kamen ja desöfters unterschiedliche Hexenproben zur Anwendung, z.B. die Wiegeprobe. Ich zitiere mal:
Die als Hexe bezichtigte Frau wurde hierbei auf eine Waage gestellt und gegen ein vorher festgelegtes Gewicht gewogen. Wenn sie weniger wog, kam es zur Anklage. Wenn sie allerdings mehr wog, beschuldigte man sie, die Waage durch die Macht des Teufels verhext zu haben. So wurde die Angeklagte fast immer verurteilt.

Heute erscheinen solche Methoden, bei der die angeklagte Person von vornherein schon verloren hat, völlig abwegig, da sie jeglicher Logik widersprechen.

Um so erschreckender finde ich es, wenn ähnliche Denkweisen und Beweisführungen sich plötzlich in modernen Gerichtsprozessen wiederfinden. Das Beispiel, auf das ich gestoßen bin, kommt nicht aus Deutschland, sondern aus der Schweiz, aber ich denke, das ändert nicht wirklich etwas daran, dass solche Fälle auch von uns als Warnung angesehen werden sollten.

Die Weltwoche berichtete in Ausgabe 18/09 über den Fall eines zu Unrecht angeklagten Lehrers, dessen ganze Existenz durch blindes Vertrauen in falsche und völlig übertriebene Aussagen von Schülern & Schülerinnen, die bei den Vernehmungen auch noch dazu angestachelt wurden, immer wildere Geschichten zu erzählen, vernichtet worden ist. Hier nun aber der Teil, der mich spontan an mittelalterliche Hexenprozesse denken ließ:
Im Juli 2005 verfügt die Untersuchungsrichterin eine psychiatrische Begutachtung des Lehrers. In seiner Expertise vom Februar 2006 gibt der renommierte Gerichtspsychiater Andreas Frei zu bedenken, es sei «heikel», bestrittene Sexualstraftaten zu qualifizieren, würde damit doch das Urteil des Gerichtes vorweggenommen. Doch statt die Übung abzubrechen, tut der Experte genau das, wovor er warnt, und kommt dabei zu einem für den Angeschuldigten verheerenden Befund: Das Bestreiten jeder Schuld sei geradewegs typisch für eine verdrängte pädophile Neigung, die einer Therapie bedürfe. Der Zirkelschluss des Sachverständigen bringt den Lehrer in eine unmögliche Lage: Je heftiger er sich verteidigt, desto verdächtiger macht er sich.

Tja, wenn er behauptet, er sei unschuldig, wird das gegen ihn verwendet, denn das sei ja typisch für Menschen, die Kinder missbrauchen. Würde er stattdessejn irgendwo eine Schuld eingestehen, hätte er es aber eh damit zugegeben und würde deshalb verurteilt. Ein wirklich unschuldiger Mensch, wie in diesem Fall, kann also nur verlieren, egal was er sagt.

Immerhin wurde er am Ende des mehrjährigen Gerichtsprozess dann doch noch freigesprochen, da sich die Aussagen gegen ihn letztendlich als unhaltbar herausstellten. Verloren hat er trotzdem, denn seinen Job ist er los, sein Ruf ist ruiniert und gesundheitlich ist er auch am Ende.

Fälle wie dieser sollten einen Warnung sein, wozu einseitige Sichtweisen und übertriebene Hysterie führen können. Ein vielleicht noch tragischerer Fall spielte sich übrigens vor einigen jahren in Frankreich ab. Darüber berichtet ich bereits hier.
29.6.09 22:53
 


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