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Missbrauchsskandal: Ein Opfer spricht

In der Welt schreibt Schriftsteller Josef Haslinger über seine Missbrauchserlebnisse, die er als Kind mit katholischen Priestern hatte. Und hat dabei Interessantes zu erzählen. Hier einige Auszüge:
[...]

Ich verstehe, dass die Gesellschaft Pädophilen keinen Freibrief ausstellen kann. Aber ich weiß auch, dass sie zärtlich sind, fürsorglich, liebevoll und weitaus weniger egoistisch als man sich das gemeinhin vorstellt. Sie hätten das gar nicht nötig, weil es Kinder gibt, die sich mit Neugier darauf einlassen. Ich wurde von diesen Erwachsenen sicherlich ausgenutzt, aber ich fühlte mich auch ernst genommen. Wir sprachen ja nicht nur über Sexualität. Einer der drei schrieb Gedichte. Ich kann heute noch eines seiner Gedichte auswendig. Und einmal sprachen wir über das Thema eines Schulaufsatzes, den ich zu schreiben hatte. Als wir uns das nächste Mal trafen, übergab er mir ein mit der Maschine geschriebenes Blatt, auf dem er sich Gedanken zu diesem Thema gemacht hatte. Es waren die Gedanken eines Erwachsenen. Ich baute sie in den Schulaufsatz ein, und da wurden sie plötzlich meine Gedanken. Sie brachten mich weiter.

[...]

Passen wir bloß auf, dass wir jetzt keine Hexenjagd inszenieren. Die Kinder sind zu schützen, keine Frage. Und die Opfer haben ein Recht, gehört zu werden. Aber was machen wir mit den Tätern? Es hat einen guten Sinn, dass es im Gesetz Verjährungsfristen gibt. Dafür hat es einmal ein Rechtsempfinden gegeben. Das Hauptaugenmerk kann doch nicht Tätern gelten, deren Straftaten verjährt sind. Alle Menschen sollen eine Chance haben zu lernen, wie man mit seinen Verhaltensweisen innerhalb des gesetzlichen Rahmens bleiben kann. Und wenn sie es gelernt haben, dann haben sie sich mehr angestrengt als so mancher, der jetzt den moralisch Entrüsteten spielt, obwohl er die Fallen einer solchen Neigung nicht einmal ansatzweise kennt.

[...]

Medienaufgeregte Politiker überschlagen sich mit Vorschlägen, wie man das Strafrecht verschärfen und Verjährungsfristen aufheben könnte. Wenn wir Pädophile mit Kinderschändern und Sexualattentätern gleichsetzen, haben wir zwar ein größeres Medienspektakel, aber es geht uns jeder Maßstab für sinnvolle Maßnahmen verloren. In meinen juristisch ungeschulten Augen sind das unterschiedliche Paragraphen.


Natürlich gibt es genau so die andere Seite, die nicht vergessen oder überhört werden darf: Opfer, die Jahrzehnte lang unter den Erlebnissen leiden und ein persönliches Trauma mit sich herum tragen müssen. Trotzdem ist es wichtig nicht in Hysterie zu verfallen und nun eine Hexenjagd zu starten.

Man darf nie dazu übergehen, zu stark zu verallgemeinern und dabei vergessen den Einzelfall zu sehen - nicht jeder stattgefundene sexuelle Kontakt ist ein schwerster Missbrauchsfall mit traumatischen Folgen, nicht jeder Täter ist ein Pädophiler (statistisch trifft dies sogar nur auf die Minderheit zu) und nicht jeder Pädophiler ist ein schwerer Kinderschänder. Ein sachlicher, differenzierender Umgang mit der Thematik ist wünschenswert.

Den ganzen Artikel aus der Welt kann man hier lesen.
15.3.10 22:13
 


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